Für die Brauereien war das Bierkartell eine Sternstunde, denn es sorgte für einen stetigen Umsatz. Konkurrenz gab es kaum – die Absatzgebiete waren sauber aufgeteilt. Dort, wo es dennoch Reibereien gab, weil das Gebiet zu klein war, wurde einfach mit Geld nachgeholfen.

So tat es Hürlimann. Die Inhaber kauften 1984 die andere grosse Zürcher Brauerei, die Löwenbräu. Doch das Ende des Bierkartells näherte sich. 1991 war Schluss und der Druck auf die ehemals geschützten Brau-Werkstätten nahm zu. Die Familie Hürlimann hatte sich bereits zwei Jahre zuvor aus dem Betrieb zurückgezogen. 1996 übernahm Feldschlösschen und legte ein Jahr später den Betrieb still.

29.10.1996 Berichte vom Regionaljournal Zürich/Schaffhausen Radio DRS 1

3.11.1996 Bericht vom Regionaljournal Zürich/Schaffhausen Radio DRS 1
Martin Hürlimann, der ehemalige Patron, nimmt Stellung zur angekündigten Schliessung der Zürcher Brauerei

6.11.1996 Berichte vom Regionaljournal Zürich/Schaffhausen Radio DRS 1

Bier von Hürlimann gibt es keines mehr, dafür kann man in einer Wellness-Oase in jenem Mineralwasser baden, das die Brauer einst für das Maischen verwendet haben.

Beitrag über die Brauerei Hürlimann im Schweizer Fernsehen, „Schweiz aktuell“ 11.04.1997

Die weitere Umnutzung des Brauerei-Areals brachte ansonsten das, was meistens kommt: Shopping, Freizeit, Wohnungen und Büros. In einigen davon tüfteln Programmierer von Google an neuen Anwendungen oder bringen Google Maps noch mehr Möglichkeiten bei.

Das gseht me doch am Schüümli aa, das Bier das isch vom Hürlimaa …
Werbesong von Trio Eugster, ca. 1975

In Böblingen lebt Hürlimann bei der Schönbuch Braumanufaktur weiter. Chef Werner Dinkelaker hat für sein Brauhaus eine ehemalige Kupfer-Sudpfanne erworben. Genial! Zürcher Brauereigeschichte als Dekoration im Gasthof einer ebenso geschichtsträchtigen Familien-Brauerei.


Hürlimann lebt weiter – in England


Historisches

Die eigentliche Brauerei Hürlimann hiess übrigens Brauerei im Uetliberg. Sie fusionierte 1921 mit der Brauerei Hürlimann zur Brauerei am Üetliberg und A. Hürlimann Aktiengesellschaft. Formal übernahm die Brauerei Uetliberg die Brauerei Hürlimann. Bereits 1923 wurde die Brauerei Uetliberg stillgelegt und die Produktion von der Abteilung Hürlimann übernommen. 

Titelseite und Vorderdeckel der 1898 erschienen Festschrift zum 25-jährigen Bestehen der Brauerei am Uetliberg in Zürich.

Bierbrauerei am Uetliberg, Zürich III – Wiedikon. Den Freunden der Bierbrauerei am Uetliberg gewidmet zum 25jährigen Jubiläum. Zürich: Art. Institut Orell Füssli [1898]. – 16 S. + [15] S. mit Fotos (quer).

Kategorien: Bierdeckel

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.